Bombshell Kritik

Bombshell Kritik

In unserem heutigen Beitrag widmen wir uns einem aktuelleren Kinofilm und trauen uns über eine Bombshell Kritik. In der folgenden, wie immer sehr persönlichen Filmkritik beschäftigen wir uns mit dem gesellschaftlichen Thema, warum so eine Unternehmenskultur wie sie in Bombshell dargestellt wird lange nicht als abnormal beachtet wurde. Schonungslos, Knallhart, Reißerisch. Mit diesen plakativen Worten hat folgender Beitrag wenig zu tun, denn uns gefiel die leichte Herangehensweise an dieses schwierige Thema und finden die Umsetzung mehr als gelungen, aber lest selbst.

Bombshell – Trailer

Die Handlung

Wie ihr schon wisst, langweilen wir euch nicht mit konkreten Nacherzählungen der Handlung, denn das kann Wikipedia viel besser.

Unsere Mission ist es ja euch mit ganz persönlichen Ansichten und Details zu diversen Filmen zu unterhalten. Zuallererst ist es ganz wichtig, dass ich mit überhaupt keinen Erwartungen in den Film gegangen bin. Die einzigen Vorinformationen hatte ich vom OSCAR Abend, dass der Film dreimal nominiert war, aber keinen der begehrten Preise abstauben konnte.

Im kleinsten Saal des Cineplexx Linz machte sich die doch etwas beklemmende Stimmung der Handlung bemerkbar. Man verspürte sofort eine tiefe Abneigung gegenüber dem ganzen Zirkus der machtgeilen Medientypen. Speziell Roger Ailes ist der Inbegriff eines alten, fetten, übergriffigen und ranzigen Chefs. Demgegenüber stehen die ganzen belästigten, blonden und langbeinigen Fox Moderatorinnen. Die Tatsache, dass sie alle für einen rechts-konservativen Fernsehsender arbeiten und ihren republikanischen Politikern eine Werbeplattform bieten, lässt auch diese Rollen nicht unbedingt sympathisch erscheinen.

Man fiebert trotzdem mit den smarten Ladies mit, dass sie am Ende den jahrelangen Missbrauch gemeinsam aufdecken, für ihre Rechte einstehen und für einen „HALLO!“ Effekt in der Branche sorgen. Da ihnen ihre Karrieren und die Professionalität jeder Zeit ins Gesicht steht, sorgtes bei mir manchmal für einen richtigen Mindfuck, warum sich diese toughen Businessfrauen nicht eher gegen die sexuellen Belästigungen erhoben haben. Eine kleine Ausführung dazu im nächsten Absatz.

Der Nachgeschmack

Da ich dieses Mal auf Popcorn, Nachos oder Süßes verzichtet habe, beschäftigt mich der gesellschaftliche Nachgeschmack in dieser Bombshell Kritik.

Wir alle wissen ja folgendes:

  • Sexuelle Übergriffe in jeglichen Machtpositionen waren und sind an der Tagesordnung.
  • Diese missbräuchlichen Strukturen wurden nahezu ausschließlich von weißen Männern geschaffen.
  • Kinofilme entsprechen nicht der Realität

Ohne es zu wissen bin ich mir sicher, dass hier auf Grund von außergerichtlichen Vergleichen zugunsten der ganzen Perversen eine sehr sterile Sicht der Dinge in der Handlung wider gespiegelt wurde. Ich persönliche bin mehr so der „An den Pranger stellen“ Typ. Nur gut, dass nun endlich auch mit Harvey Weinstein ein weiterer Verbrecher der Branche seiner gerechten Strafe zugeführt wurde.

Das größte Problem offenbart sich mir aber in der Tatsache, dass sich anscheinend sehr viele Frauen im Film mit der „Grab my Pussy“ Mentalität der wirtschaftlichen und politischen Führungselite einfach abfinden. Es gehört anscheinend zum guten Ton, dass man das Maul hält, auch wenn man schon im Kindesalter im familiären Kreis mit solchen Themen konfrontiert ist. Dem Papa, als angesehenen Familienoberhaupt, aber seine Fehlgriffe oder seine Frauen feindliche Sprache nicht krumm nehmen darf.

Um Karriere zu machen, lässt sich der Mensch offenbar lieber unterdrücken und manipulieren. Da ist es egal, ob man Demokrat oder Republikaner ist, da machen die alten weißen Männer in den USA keinen Unterschied.
Hier steckt das eigentliche Problem der Leichtigkeit des Films und der schale Nachgeschmack meiner Bombshell Kritik:

Missbräuchliches Verhalten ist kein Hollywood Phänomen, sondern ein Alltägliches!

Grafik Quelle: Die Welt

Warum soll man sich Bombshell trotzdem ansehen?

Weil er einen emotional nicht erpresst, sondern die rationalen Handlungsweisen gut einfängt. Klar, es ist Hollywood. Es ist Kino. Bling, Bling und Spannungsbogen müssen passen. Das leuchtet ein und man nimmt es hin. Schließlich will man am Wochenende abends nicht auch noch mit erhobenen Zeigefinger belehrt werden.

Was hat das jetzt aber alles mit Bombshell zu tun? Nun, der Film zeigt ganz klar den schwierigen Balanceakt den Jay Roach versucht hat zu meistern. In einer Männer dominierten Welt dem eigenen Geschlecht ans Bein zu pinkeln ist vielleicht bei einem Nesselbrand ok, aber nicht in Hollywood. Zu sehr wird hier die Thematik umschifft, dass Margot Robbie für 20 andere Frauen als exemplarisches Beispiel für sexuellen Missbrauch herhalten muss. Zu harmlos wird mit Rupert Murdoch umgegangen, unter dessen Ägide das ja passiert ist – und der Fisch fängt ja bekanntlich am Kopf zu stinken an. Aber das unterstelle ich bloß.

Insofern war ich zufrieden, trotz Junkfood Abstinenz. Die ganzen Gedanken und die Kritik kamen erst mit zeitlichem Abstand. Und dieser Reflexion.

  • Sexuelle Übergriffe werden wieder eher verharmlosend dargestellt
  • Der Feind ist nicht zwingend über uns, sondern neben uns

Abschließen möchte ich diese Filmkritik mit einem sehr bedenklichen Zitat aus dem Film, welches die weltweite gesellschaftliche Problematik sehr gut zusammenfasst:

Roger Ailes: News is like a ship. You take your hands off the wheel and it pulls hard to the left.

aus Bombshell – Das Ende des Schweigens