Gone Girl

Gone Girl – Das perfekte Opfer

Mit Gone Girl ist Regisseur David Fincher etwas gelungen, was ich bislang nicht für möglich gehalten habe. Er hat einen tollen Film inszeniert und es gleichzeitig geschafft, dass mein Hass auf die Schnulzengottheit Ben Affleck weiter steigt und ich das ausdruckslose Gesicht von Rosemunde Pike nun gar nicht mehr ertragen kann. Nicht mal die Aufrechterhaltung der erotischen Spannung und der sehr feine Teppichmessermove konnten da die Kompassnadel Richtung „Sympathisch“ schwenken lassen.

Einführung

Es ist wieder einer dieser Momente, wo ich mir nach dem Genuss des Filmes eindeutig die Frage stellen muss: Warum zum Teufel bin ich so ein fauler Sack und habe diese großartige Story nicht bereits als Buch gelesen?
Ein kleiner Hinweise gefällig? à Weil ich ein Filmjunkie bin. So addicted, wie ich dem bewegten Bild gegenüber bin (vielen Dank David Fincher für die tolle Atmosphäre), so unfassbar nachlässig bin ich was Bücher betrifft. Statt Bücherwurm könnte man mich Büchermade nennen, weil ich ein Buch eher vergammeln lasse, als dass ich es lesen würde.

Prinzipiell ist die Einführung in den Plot von Gone Girl sehr interessant. Dummy, aber Sexy Nick und emotionslos, aber sexy Amy voltigieren sich am Beginn ihrer Beziehung so richtig einen ab. Keck, liebevoll, prickelnd.
Vielleicht bin ich auch nur neidisch, ob der großen Schauspielkunst von Rosemund Pike, zweieinhalb Stunden nicht einmal einen anderen Gesichtsausdruck zuzulassen. Vielleicht ist auch das Botox, wer weiß?

Aus dem Großstadt-Paradies wird der Vorstadt Alptraum. Die Leidenschaft schläft ein. Nick scheint böse zu sein. Zombie Amy hat Angst. Ja, das klingt staccatoartig, wird aber schön erzählt. Auf einmal ist Amy weg und Dumbo-Nick wird Hauptverdächtiger. Zu dem Zeitpunkt hätte ich sich das Böse Ich in mir gewünscht, er hätte den perfekten Mord begangen und sich seine tollpatschige Naivität wäre nur ein raffinierter Plan. Da spricht vermutlich der Rest-Patriarch in mir.

Wende

Amazing Amy ist ein unfassbar raffiniertes kaltblütiges Miststück, sodass sich Stelzbock Nick herrlich über den Tisch ziehen lässt. Ganz großes Kino. Diesen Plan in dieser Perfektion durchziehen ist schon sehr edel. Auch wenn SIE sich dann so richtig dämlich abziehen lässt von zwei Hinterwäldlern.
Die Schnitzeljagd, die großartige Frau Detective, Schwester Margo, der Anwalt. Alles herrliche Rollen. Schürzenjäger Nick wird immer unsympathischer, weil er dann doch mal die Kontrolle verliert. Über sein Leben, seine Libido und seinen Verstand. Die ganze Aufklärerei, Amys alternative Strategien und Barney Stinson als stylischer reicher Stalker runden alles ab. Der Höhepunkt ist ebenso schön inszeniert, wie kurz (Orgamusmetapher bitte hier einfügen)!

Teppichmesserattentat olé! Schockierend, unerwartet, irgendwie auch geil! Psychomusik und gute Schnitte runden den Wahnsinn des Charakters der Amy Dunn perfekt ab. Herrlich diese Zweideutigkeit, nicht wahr?

Ende – Anfang?

Ich kenne so unfassbar viele Menschen, welche das Ende von Gone Girl abgrundtief hassen. So darf ein Film nicht enden, so kann die Story doch nicht aufhören. Wo und wann verdammt noch mal kommt der zweite Teil?
Ja, natürlich nervt es hart, dass Nick sich arrangiert und noch mal verarscht wird mit der Schwangerschaft. Er lernt einfach nichts dazu. Ich an seiner Stelle würde Eisblock Amy keine Chance geben, Teppiche zurecht zu schneidern. Oder mit Messern zu kochen. Da wären Göffel besser angebracht. Irgendwie war es nur konsequent diesen Film, welcher mit so einer eigenartigen unwohlen Grundstimmung daherkommt, auf diese Weise enden zu lassen. Man geht aus dem Kino raus oder wie in meinem Fall, steht von der Couch auf und fühlt sich erstmal so richtig leer. Irgendwie gone, irgendwie allein.

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