Havoc Filmplakat

Havoc

Es gibt so Filme, die irgendwie unter dem Radar von „Must see“ durchgerutscht sind und welche man trotzdem lange im Hinterkopf hat, sie einmal ansehen zu müssen. Der zugegeben eher unbekannte Film Havoc ist komischerweise einer davon.

Warum Havoc?

Beim Aussortieren der DVD’s meiner Freundin ist uns die von Havoc – buchstäblich – ins Auge gefallen. Sie schwärmte von dem Film, weil er sie an ihre rebellische Pubertät erinnert, ich habe vor Jahren einmal davon gelesen, dass er interessant sein soll. Deswegen haben wir uns spontan dazu entschlossen ihn zu unserem allwöchentlichen „Lazy Sunday“ Movie zu machen.

Natürlich könnte ich den Film jetzt einfach nacherzählen, aber das wäre ja so richtig fad. Ich möchte gerne mein Empfinden teilen, welches mich den ganzen Film über begleitet hat.

Generation: mir wurscht!

Schon zu Beginn wird man Zeuge einer furchtbar gelangweilten Teenager-Clique, welche einem so richtig auf den Keks gehen. Ich kann mir nicht helfen, aber bei allem Glossy-Shine-Bling-Bling und Pseudo Gangstern erinnert mich diese kalifornische Gruppierung ganz stark an viele Jugendliche, welche man tagtäglich im Linzer Stadtbild wahrnimmt. Keinen Sinn für Verantwortung, keinen Respekt vor irgendwas und vor allem keine Hemmschwelle und keinen Dunst vom echten Leben.
So zieht dich der Film in einen Sog voller Unwohlsein. Und das mag ich. Ich stehe auf Filme, welche etwas verstörend sind, welche vielleicht auch nicht ganz über drüber produziert wurden.
Diese Situation wird unterstützt, dass die von Anne Hathaway nur mittelmäßig gespielte Hauptrolle sich auch im Film selbst inszeniert und mit ihrer scheinbar unnahbaren und lasziven Art alle um ihren Finger wickeln möchte.
Dass sich unter all der gleichgültigen Coolness die Jugendlichen einen immer größeren Kick wünschen, ist da nur die logische Konsequenz.
Aber eigentlich sind alle richtig kleine Hosenscheißer, welche mental auf dem Stand von Kindergartenkindern dahin vegetieren. Das ist einerseits witzig, doch andererseits wünscht man sich das Scheitern immer schneller her und das liegt wiederum vermutlich nur an meiner etwas morbiden Fantasie und dem Wunsch von Sad-Ends.

Open End?

Auch wenn der Film auf die Zielgruppe Emos oder Teenager zugeschnitten ist, unterhält er mich. Er hüpft zwar manchmal lose von Szene zu Szene und spitzt sich gegen Ende zu einem soliden Drama zu, hat aber alles was mein dunkles Herz braucht. Sex, Drugs and Klischees. Die Latino Gangster viel zu lieb. Das Ghetto viel zu Hollywood. Der Plot viel zu B-Movie. Das Anne Hathaway nackt in einer Szene auftaucht, verstand ich für die Phase ihrer damaligen Karriere nicht ganz, dürfte aber ein Schritt ihrer Emanzipation von „Plötzlich Prinzessin“ zu Charakterdarstellerin geschuldet gewesen sein.

Der Film Havoc ist eine seichtes Teenager-Drama, welches diese Erwartungen genau erfüllt. Wer sich mehr erhofft, wenn er den Filmtrailer sieht oder sich von den durchaus bekannten Schauspielern verleiten lässt, wird enttäuscht. Der Streifen schafft es nicht die angekündigte Verrucht -und Verdorbenheit zu entwickeln, lässt aber generell Interpretationsspielraum offen und lädt zum Diskutieren ein, ob die Generation Y oder Generation Z tatsächlich so abgestumpft ist.

Vielleicht ist er auch ein kleiner Weckruf an alle Eltern, welche sich zu wenig Zeit für ihre Kinder nehmen und die Erziehung ihrer Süßen lieber dem Fernsehen oder Internet überlassen.

Aller eher negativer Betrachtungsweise zum Trotz, ich bin Fan des belanglosen Dramas Havoc!